Die Modenesertaube (Taubenfreund 05/1963)

Betrachten wir einmal die Huhntauben, so kommen wir zu der Feststellung, dass unter ihnen die Modeneser die kleinsten Tauben sind. Sie werden schon einige hundert Jahre gezüchtet.. Ihr Heimatland ist Italien und das Hauptzuchtgebiet liegt in der Stadt Modena. Daher auch der Name „Modeneser“. Die „Colombi di Modena“ oder „Modenesi“ führen in Italien außerdem den Namen „Triganini“ Nach Aufzeichnungen wurde diese Taube in Deutschland etwas um 1875 von Dr. Baldamus eingeführt. Um die Jahrhundertwende trafen wir wir sie in Deutschland auch vereinzelt an. Eine Ausnahme hierin bildete die Döbelner Gegend und das Erzgebirge, wo sich die Modeneser in größerer Zahl eingefunden hatten. Diese Gebiete werden wohl auch in Zukunft in Deutschland die Hochburgen der Modeneserzucht bleiben. In England, Holland, Belgien, der Schweiz und Italien hat sich der Modeneser sehr verbreitet, wie bei uns die Schautauben. Leider besteht noch keine international anerkannte Musterbeschreibung. Im Ausland wird der Modeneser in einer gedrungenen Form und mit starkem Hals gezüchtet. Auch in Italien ist die Figur eine andere wie bei uns.

Aus Anlass der Nationalen Geflügelausstellung, die 1912 in Chemnitz stattfand, wurde Sonderverein der Züchter der Modenesertaube aus der Taufe gehoben. Wer in den letzten Jahren Großschauen in Deutschland besucht hat, kommt zur Feststellung, dass die Beschickung mit Modenesern nach dem zweiten Weltkrieg nicht nachgelassen hat, sondern wir können vom Gegenteil berichten. Zur Jubiläums-Sonderschau, die am 10. Januar 1962 in Freiberg stattfand (es war die 50jährige Jubiläumsschau), wurden 700 Modeneser ausgestellt. Ist das nicht eine stattliche Zahl? Was trägt hier alles dazu bei , dass der Modeneser so beliebt ist. Einmal die starke Beschickung der Schauen, zum anderen die wiederholten Veröffentlichungen von Beiträgen über diese Taube. Das sind ja, was wir immer betonen müssen, von jeher die besten Werbemittel für eine Taubenrasse gewesen und werden es in Zukunft auch bleiben. Heute gehören dem Sonderverein in der Ostzone etwa 200 Züchter an.

Wir in Deutschland wünschen bei dieser Taube eine schnittige Form. Bezüglich der Farben ist für jedermanns Geschmack reichlich gesorgt. Der Modeneser besitzt sehr gute Nutzeigenschaften. Das immer rege Wesen sowie das tänzelnde Trippeln haben die Züchter in ihren Bann gezogen. Wenn wir uns mit der Modenesertaube laufend beschäftigen, wird sie schnell Fingerzahm. Mit sechs und mehr Paar Jungen kann im Jahr gerechnet werden. Wir können mit den Modenesern in hohen, aber auch in niedrigen Schlägen züchten. Sie sind nicht zänkisch. Viele Züchter haben ihnen auch das Feldern abgewöhnt. Von den in Deutschland gezüchteten Huhntauben sind sie ja die besten Flieger.

Bei uns sind drei Modeneserarten anerkannt:

1. Die Gazzi wiesen in der Zeichnung große Ähnlichkeit mit der des Strassers auf. Die Kopfzeichnung ist ovaler ohne reichlichen Latz und die Rückenfarbe Weiß. Bei uns haben die Gazzi die größte Verbreitung.

2. Die Schietti sind stets einfarbig mit brauner, schwarzer oder weißer Binde oder mit hellem Schild und Säumung: braungesäumt, braunschildig oder gehämmert.

3. Die Magnani. Bei Ihnen haben bei uns nur zwei Farbenschläge Anerkennung gefunden: „Vielfarbig“ oder „Cremefarbig“. Andere Bezeichnungen, wie gescheckt, bunt, getigert usw. gibt es nicht.

Im Heimatland erscheinen aber noch viele andere Arten und Farbenschläge. Die Magnani sind leider seltener geworden. Die Vielfarbigen weisen bei blauer oder dunkler Grundfarbe braune und schwarze, oftmals auch weiße Spritzer auf. Je gleichmäßiger sich diese Spritzer über den ganzen Körper verteilen, desto wertvoller ist das Tier. Wir haben festgestellt, dass die Tiere nach der ersten Mauser meist noch etwas nachdunkeln. Auch die Schwingen und der Schwanz müssen gezeichnet sein. Die Cremefarbigen besitzen eine cremefarbige Grundfarbe mit gelben oder braunen Binden und wenig weißen und schwarzen Spritzern. Wir betonen hier, dass die Magnanizucht nicht leicht ist. Sehr oft ist die Nachkommenschaft einfarbig. Diese Tiere lassen sich aber wieder in der Zucht verwenden.

Bei der Bewertung soll der Preisrichter vor allem auf die Huhntaubenart achten. Ein altes Sprichwort lautet: „In der Kürze liegt die Würze“, was besonders für diese Rasse in Frage kommt. In der Gestalt ist der Modeneser sehr kurz. Er zeigt eine schöne abgerundete Kopfzeichnung mit lebhaften Augen und orangeroter Iris. Einen zu langen Latz, wie den Strassern zu eigen ist, verwerfen wir. Der Augenrand ist wenig entwickelt, bei den dunklen dunkel. Die Kopfzeichnung beginnt am Scheitel und zieht sich nach der Stirn hin, beide Kopf- und Backenseiten sind eingeschlossen. Weiß sind der Hinterkopf und das Genick. Der Schnabel wird kräftig, nicht zu lang und nicht zu spitz gefordert. Wir wünschen eine volle breite Brust, vollen Bauchabschnitt, gute Schenkelhöhe und guten Schwanz. Der Schwanz soll nicht lang und breit sein. Er wird ein wenig hochgetragen. Wiederum darf er aber auch nicht so hoch sein, wie wir es vom Malteser und Florentiner gewöhnt sind. Die Schwingen liegen gut auf dem Schwanz auf und dürfen dabei nicht kreuzen. Kräftige, gut sichtbare Schenkel und unbefiederte Ständer sollen vorhanden sein.

Das Putzen der Zeichnung ist erlaubt. Nur dürfen dadurch keine nackten Stellen entstehen. Unerlaubt dagegen ist das Entfernen von andersfarbigen Schwingen oder Schwanzfedern.