1. Deutsches Idealbild einer Gazzi, 2. englisches Idealbild einer Gazzi, 3. Deutsches Idealbild einer Schietti, 8. Hugo Peschke, 4,5,6,7,9,10,11,12,13,14,15 Aufnahmen von damals hochbewerteten Modenesern

20 Jahre Modeneserzüchtervereinigung

 (Hugo Peschke)

Es war am Ausstellungstag der Nationalen in Chemnitz im Jahre 1912, ich half  auf Veranlassung des damaligen Vorsitzenden Dietrich im Geschäftszimmer der Taubenhalle, als Herr Wietrzynski aus Marktliffa mit Herr Poffe, Nauslitz auf mich zusteuerten und mir die Absicht einen Spezialverein für Modeneser zu gründen unterbreiteten, geschäftliche Vorfälle unterbrachen unsere Verhandlungen, doch als die am Abende im Rathauskaffee fortgeführt wurden, entschloss man sich zur Gründung. Mit allen Vollmachten ausgerüstet, begann ich bereits in den nächsten Tagen meine Fühlungnahme mit allen bekannten Modeneserzüchtern, und die erste Hauptversammlung am 17. April 1913 in Döbeln zählte 18 Gründer von denen folgende sieben Herren heute noch dem Verein angehören und zwar: Wietrzynski, Marktliffa; Sprenger, Reichenau; Taschner, Torgu; Ulbricht, Schönberg; Jakobi, Stollberg; Weber, Hochstadt; und natürlich meine Wenigkeit.

Während der Gazzizucht zur Zeit der Vereinsgründung noch ganz nennenswertes Material zur Verfügung stand, sah es um den Schietti sehr dünn aus. Bei den Gazzifarbenschlägen Schwarz, Blau mit schwarzen Binden, Blaugehämmert, Braunmeliert, auch bei rot und gelb war weniger von einer Farbreinheit zu erwarten, auch waren eine ganze Anzahl Gazzizuchten als figürlich gut anzusehen, bei den Schiettis dagegen haperte es an Fertigkeit in der Grundfarbe wie in der Zeichnung. Die Schildgrundfarbe war ein Gemisch von Schwarz, Blau, Schiefergrau, Kupfer sodass die Schildzeichnung variierte von einer breitkantig sich ausprägenden Zeichnung bis zu einer verwaschenen Zeichnung, bei einer Schildgrundfarbe Weiß , Rahmgelb, Rostig bis Moosig gepfeffert. Zu beiden Lagern ist für den jungen Verein viel zu leisten, jedoch waren die Aussichten für die Gazzizüchter wesentlich einfacher, weil ihnen konstante Farbige schon zur Verfügung standen und oft nur Zeichnungs- bzw, Farb- anpassungen und Figurenausgleich in der Zucht zur Aufgabe stellten, während beim Schiettizüchter die Herauszüchtung besonderer Farbenschläge diesen die übrigen Anpassungen. vorausging. Genaue Richtungen wurden ausgearbeitet. Und die Schar mutiger Züchter ging dann mit, doch ehe von Erfolg gesprochen werden konnte, kam der unsägliche 1. Weltkrieg mit seinen Verlusten an Menschen und Vieh. Von den Gründern blieb Heesen, Homberger in dem Felde der Ehre. In dem Hoffen, dass der Krieg bald vorüber sein werde, bemühte ich mich, soviel ich in den Kriegswirren konnte, mit den Mitgliedern in Verbindung zu bleiben. Die letzten Kriegszusammenkunft war dam 07.02.1915 in Chemnitz anlässlich der Ausstellung, und bis Ende 1916 stand ich mit den meisten aus dem Felde brieflich in Verbindung; doch dann erlahmte der Mut und das Interesse an allem durch die alltäglichen Kriegserlebnisse mit den körperlichen Anforderungen.

Die erste Zusammenkunft und Jahreshauptversammlung war dann nach Kriegsende am 29.11.1919 in Döbeln. Mit ihr war gleichzeitig die erste Spezialschau nach dem Kriege, welche mit 25 Nummern Modeneser zwar noch als erfreulich groß zu bezeichnen war, welche aber den Beweis brachten, dass die Modeneserzucht bis auf wenige Zuchten, deren Besitzer von einer Kriegsbeteiligung verschont blieben., sich eher noch verschlechtert, statt verbessert hatte. Inzucht machte sich durch gebrochene Augen fast überall bemerkbar, aber auch die Formen waren ungleich, vielfach recht plump geworden und die Zeichnungen, und zwar bei den Gazzis die Kopfzeichnungen und bei den Schiettis die Flügelschildzeichnung hatten ziemlich ins Auge fallend gelitten. ---- Erneut ging die kleine tapfere Züchterschar ans Werk.

 

 

 

H.Peschke, 1932