Blaue Modeneser Gazzi

Ausnahmslos entzückt dieser Farbenschlag den Beschauer, der sich auf den Ausstellungen seinen Käfigen nähert, gleichgültig, ob es sich um den hohlblauen oder den Schwarzbindigen handelt. Wesentlich ist es aber, dass diese Tierchen sauber gepflegt sind, so dass sich das Weiß vom Blau scharf abhebt und die Zartheit  und Reinheit der Flügeldecken, wie eine schön abgegrenzte Kopfzeichnung, Geltung verschaffen. Handelt es sich aber um nicht gepflegte und unsaubere Tiere, dann ist es gerade die blaue Farbe, die mithilft, den ungünstigen Eindruck ganz wesentlich zu verschlechtern. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, diesen Farbenschlag nur dann zu züchten, wenn er sich aufgrund der örtlichen Verhältnisse selbst sauber zu halten in der Lage ist und, falls ungünstige Witterung des Herbstes sein Federkleid beeinträchtigt hat, ihn zu waschen, ehe man ihn auf die Ausstellung schickt.

Obwohl der blaue Farbenschlag immer gut verbreitet gewesen ist, so zählt er doch nicht gerade zu den vollkommensten, Die Formen waren noch bis einige Jahre nach dem Weltkriege immer die kräftigsten, die Farbe war immer etwas dunkel, und zwar insbesondere bei den Täubinnen. Außerdem stellte sich gerne Russ und Rost ein. Ersterer auf den Flügeldecken, letzterer in Binden und Schwingen. Fast ausnahmslos aber waren die Binden zu breit und liefen zusammen.

Zuerst war es der hohlblaue Farbenschlag, der  unter Major Hennes Händen eine vorbildliche Verbesserung, farblich wie figürlich, erfuhr. Er begann kurz nach dem Kriege mit Tieren aus der Zucht von M. Osw, Hauswald, Dobra, eine Spezialzucht zu begründen, die von Jahr zu Jahr mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Liebhaber auf den Ausstellungen erweckte. Alle Zuchten in Hohlblau, die heute führend sind, haben direkt oder indirekt von diesem Blute bezogen. So schön sie aber waren, hatten sie doch einen etwas abweichenden Typ, Sie standen etwas kurz auf den Beinen, die Halslänge lies etwas zu wünschen übrig, und die Schultern waren etwas reichlich breit, so dass der Vorderkörper nicht die gut gerundeten Linien zeigte, sondern einen etwas eckigen Eindruck machte, Die Verwendung von Blauschwarzbindigen zur Blutauffrischung dieser Hohlblauen aber führte zu vollem Erfolge für die Hohlblauen, auch hinsichtlich der Figur. Figürlich wurden aus dieser Kreuzung Blauschwarzbindige erzielt, die ebenfalls höchst befriedigend und für die Züchter Blauschwarzbindiger wertvolles Material wurden. Diese hatten gut gerundete, vollflaumige Bauchpartien, während das übrige Material durchweg spitze und etwas lange Hinterpartien aufwies. Aber sie hatten zu helle Schwingen. Diesen Übelstand nahm man zunächst gern in Kauf weil neben den anderen Verbesserungen prächtig schmale Binden erzielt wurden: doch als man des Guten zu viel tat, wurden die Schwingen noch hellgesäumt und die Binden drohten zu verschwinden. Die beiden ältesten Züchter und Mitbegründer des Sondervereins; Sprenger, Reichenau und Hauswald, Dobra, waren es, die fest an der Forderung einer tiefschwarzen Binde und Schwinge hielten und deren Einfluss die Blauschwarzbindigen farblich wieder in die richtige Bahn brachte. Die Zahl der Liebhaber beider blauer Farbenschläge hat sich ständig vermehrt, und die letzten Jahre wiesen auf den Ausstellungen fast immer große Sammlungen auf, auf denen man wohl darüber streiten konnte, ob sie als Rassetaube mit ihrer einwandfreien Form oder als Farbentaube mit ihrer vollendeten Färbung und Zeichnung in den Rang der schönsten Farbenschläge der Gazzi gekommen sind.

Der heutige Stand dieser Zuchten gestattet uns daher, die höchsten Anforderungen zu stellen. Figürlich brauchen wir ihnen nicht mehr die geringsten Zugeständnisse zu machen. Die Idee der Zucht , die kleinste, dabei doch eine kraftvolle Huhntaube, voll Feuer in den Bewegungen, die Brust- und Bauchpartie ausgeglichen voll und jede übrige Linie des Körpers von Kopf bis Schwanz gut gerundet verlaufend, ist uneingeschränkt zu fordern.

Bei beiden Farbenschlägen ist ein intensiv blauer, aber rein gefärbter Kopf mit Farbglanz zu verlangen. Die Flügeldecken sollen  ein reines Blau aufweisen. Die Schwingen haben bei hohlblauen mindestens so intensiv blau zu sein wie die Kopffärbung. Je dunkler, desto besser. Die Schwarzbindigen sollen in Binden und Schwingen dunkler sein. Die Musterbeschreibung spricht von schwarz. Die gleiche Tönung wie die Schwinge hat sodann die Schwanzbinde zu zeigen.

Im Bilde führen wir 1,1 blauschwarzbindig aus der Zucht des Altmeister dieses Farbenschlages: Sprenger, Reichenau, vor. Die Kopfzeichnung ist ebenso mustergültig wie die Färbung, die reinblaue und zart gefärbte Flügeldecken, dabei tiefschwarze, schmale Binden und gute dunkle Schwingen erkennen lässt. Der hohlblaue Täuber stammt aus der Zucht des Kommerzienrates Krehan, Weimar. Er stand in Magdeburg und zählt figürlich wie farblich zu den besten, die im letzten Ausstellungswinter gezeigt worden sind. Die Aufnahme ist zwar in etwas ungünstiger Stellung erfolgt, doch das Bild erfüllt seinen Zweck in vollkommender Weise, indem es uns des Tieres prächtig reinhellblaue Flügeldeckenfarbe wie gute Kopf- und Schwingenfärbung in bester Weise vor Augen führt.

 

Hugo Peschke,

Gefügelbörse 08/1936