Aus einem Modeneserjahrbuch 1938

Ohne Frage ist die Modenesertaube in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr in den Brennpunkt taubenzüchterischer Interessen geraten, so dass hoffentlich gerade bei ihr einer Weltmusterbeschreibung näher getreten wird. Nicht nur in England hatte diese in Italien entstandene Rasse die größte Protektion gefunden, sondern auch in Amerika holte sie mächtig auf, so dass sie und nur sie es ist, die dort ihren Platz neben den eigentlichen Wirtschafts- und Formentaubenrassen behauptet. Wir dürfen davon überzeug sein, dass dieser anziehenden Taubenrasse, welche man als die Zwergwyandotten unter den Tauben bezeichnete, im Rahmen einer Ausrichtung der Wirtschaftlichkeit unserer Taubenzucht auch in Deutschland eine große Zukunft bevorsteht. Eine in ihren Formen dem Auge schmeichelnde Taube, die dazu durch eine fast unübersehbare Farben- Zeichnungsskala eine ungeheure Zugkraft besitzt und die ihre Lebenskraft in keiner Weise einbüßte. Wenn man sie auch oft bei den Züchtern von Kurzschnäblern und nicht zuletzt bei den Möwchenzüchtern antrifft, so lässt das, abgesehen von ihrer besonderen Eignung als Betreuer kleiner kurzschnäbliger Taubenrassen, die günstigen Rückschlüsse auf ihre Aufzuchtstalente zu.

 

In der Reichshauptstadt entbehrt der Modeneser bestimmt einer gewissen Beliebtheit nicht, nach Herrn Albert besitzen wir in dem Vorsitzenden des Klubs Berliner Taubenzüchter 06, in der Person des Herrn Schimon einen prominenten und werbenden Freund der Modenesertaube von nicht zu unterschätzender Aktivität. Über allen waltet der rege schriftstellernde Vorsitzende des Sondervereines. Auch zu ausländischen Modeneserfreunden werden gute Beziehungen unterhalten, und auch hier bewährt sich wieder einmal die Erkenntnis, dass sich unter den Taubenzüchtern so mancher ausgezeichnete Sendbote des guten Willens echter Freundschaft und wirklicher Sportsverbundenheit findet. Vor Jahren war es der englische Modeneserzüchter Philip White, der mit uns korrespondierte. Einige Tiere dieses Zuchtstammes haben seinerseits, wenn wir uns recht entsinnen, Verwendung in den Reinickendorfer Beständen gefunden, heute ist es Mr. William A. Dalleh, mit dem wir in Briefwechsel stehen und welcher in jüngster Zeit wiederholt über die deutsche Modeneserzucht in der Taubenzeitung seines Landes schrieb. Nun flattert uns wieder eine freundliche Sendung von ihm auf den Schreibtisch unseres Hauses. Es ist ein hübsch gebundenes Büchlein; dass ich mit seinem Golddruck als das Jahr 1938 des Modeneserklubs ausweist, in dem Mr. Dalleh als Vizepräsident und anerkannter Spezialpreisrichter aufgeführt wird. Nicht immer sind Jahrbücher kurzweilig, aber dieses ist es hier, wir entdecken in diesem kleinen Buch recht interessante Gedankengänge, die uns dazu ermutigen, einen Auszug aus dieser Neuerscheinung unseren Lesern zu bieten, ohne befürchten zu müssen, dass man uns deshalb böse sein wird.

 

Das Buch beginnt mit folgender Feststellung: Verschiedentlich ist von Zeit zu Zeit behauptet worden, dass der Modeneser immer mehr von seinem Originaltyp verliert. Und dass so viele Farben im Laufe der letzten Jahre hervorgebracht worden seien, mit dem Erfolg, dass die Preisrichter sich in diesen Farben nicht mehr auszukennen vermögen. Und darüber hinaus auch den durch die Musterbeschreibung anerkannten Farben, die diesen zukommende Aufmerksamkeit und Beachtung zu zollen nicht immer in der Lage sind. Um auf die Größe des Modenesers zu kommen, so ist es immer die Ansicht vieler Züchter gewesen, dass der Typ sich selbst regiert und seine eigenen Gesetze hat. Das lässt sich auch leicht durch die Tatsache erklären, dass zu groß gezüchtete Modeneser in der Flachheit und unerwünschte Länge gehen. Es ist schwierig, einem Vogel, sagen wir in Dragongröße, jenen fein abgesteckten Gesamteindruck des standardgerechten Modeneser zu geben. Je größer der Modeneser wird, um so mehr wird er dazu neigen, im Typ nachzulassen, andernfalls ist es aber sehr viel leichter einen guten Kopf auf einer großen Taube zu erhalten. Daher dürfte die Forderung nahe liegen, dass sich in unseren Schlägen immer eine bestimmte Anzahl großer Modeneser befinden muss, um nicht mehr zu den dürftigen, substanzlosen Köpfen zurückzukommen, wie man sie noch vor einigen Jahren überall antraf. Es gibt viele Züchter, die einen genauen und gesunden Begriff davon haben, wie ein feinrassiger Modeneser beschaffen sein muss. Man versucht es, mit feiner Modenesernachzucht so nahe als möglich an das ausgerichtete Ideal heranzubekommen, aber unabänderlich scheint hier die Beobachtung gemacht zu werden, dass das Zuchtmaterial der Größe variiert – in gewissen Graden -, und zwar nach beiden Seiten hin. So erhöht dann der Züchter beides, übergroße und zu kleine Tiere. In diesem Zusammenhangein Bild auf die Farbe. Im Augenblick ist dies von einer bestimmt größeren Bedeutung, als man es annehmen möchte. Es lässt sich, wenigstens für England nicht leugnen, dass viele Preisrichter bei einem Modeneser, der ihnen im Typ gefällt, vollkommen die Farbe ignorieren. Selbstverständlich würde es verfehlt sein, einem Modeneser den ersten Preis lediglich der Farbe wegen zu geben. Es steht indessen wohl fest, dass der Charme eines Modenesers nicht nur im Typ liegt, sondern vielleicht in noch größerem Maß in seinen sehr schönen und seltenen Farben! Die meisten neutralen Beschauer, welche zum ersten mal eine Modenesertaube besichtigen, werden vor allem durch die abweichende und von der gewöhnlichen Färbung abrückende Farbe der Binden oder von sonstigen Punkten, die irgendwie mit der Farbe zusammenhängen, angezogen. (Wir teilen diese Ansicht und bedauern ein wenig, dass der blaue Schlag mit kupferroter Binde in der Deutschen Modeneserzucht bisher nicht Fuß zu fassen vermochte, obwohl es sich um einen traditionellen Farbenschlag dieser Rasse handelt, der nicht nur in Italien, also im Ursprungsland, sondern auch in anderen Ländern in hohen Ansehen steht. Und ist es nicht eine interessante Farbenkombination, zu der wir nun wissen, auch unser Kupfergimpel beigetragen hat!) . Verschiedene Züchter (in England), und man kann sagen, dass sich unter diesen viele Prominente der dortigen Modeneserzucht befinden, haben sich sogar zu der Ansicht durchgerungen, dass der richtige Typ viel leichter als die gewünschte Farbe zu erzielen ist. Jüngst ergab sich eine Möglichkeit, diese Behauptung nachzuprüfen. Nachdem man die Jungtauben mehrere gutbekannten Modeneserzuchten sich daraufhin angesehen hatte, gelangte man tatsächlich zu dem immerhin überraschenden Ergebnis, dass die Zahl der gutgefärbten Tauben außerordentlich gering war. Um es genauer zu kennzeichnen, man konnte ihnen nicht mehr als 10 Prozent geben, von hundert Tauben waren es also zehn, welche sich in punkto Farbe sehen lassen konnten. (So kommt es in dem Jahrbuch zu einer für die dortigen Züchter erstaunlichen Folgerung:) Man müsste es daher auf den Ausstellungen als wichtig betrachten, dass die Preisrichter bei der Prämierung nur in der Farbe und Zeichnung hervorragende oder mindestens in dieser Sicht zufriedenstellende Tiere bevorzugen. Eine in dieser Beziehung als wirklich minderwertig anzusprechende Taube müsste man „wie die Pest“ meiden, also unbedingt zurückstellen, möge sie auch noch so gut im Typ sein. Auf den letzten Schauen sah man häufig Blaue und Dreifarbige (dies gilt den Schiettis, da Gazzis hier nicht in solchem Ausmaß sich als fehlerhaft herauszustellen scheinen), welche schwerlich, was Farbe anbelangt, als richtiggehende Modeneser anzusprechen waren. Die Bezeichnung dreifarbig (Tri-color) müsste besagen, dass die gewünschte Farbe auf den Flügeln eine gleichmäßige Verteilung von Kupfer, Blau und Schwarz ist, nicht ein blaugehämmert mit zwei Kupferbinden, so wie viele Züchter es für richtig halten. Die blauen welche gezeigt wurden, haben mit nur ein oder wenigen Ausnahmen schmale Kupferbinden mit sehr breiter schwarzer Einfassung gehabt oder, was noch schlimmer ist, Kupfer, das mit Schwarz schwer durchsetzt war. Es dürfte nicht so wichtig sein, besonders weitgehende Ausführungen über mehrere Modeneserfarben zu machen, die wir auch bei allen anderen Taubenrassen anzutreffen pflegen, da sie regelmäßig schlecht oder gut sind und dazu jeder Züchter sich darauf versteht. Mit diesen Farben meinen wir die Roten, Gelben, Schwarzen u. f. f. Die Farben auf welche im kommenden Jahr die (englischen) Preisrichter aufzupassen hätten, wären: Blaue und Dreifarbige, Silber und Schwefeldreifarbiger, Silberdun und Silberdundreifarbige. Diese sechs Farbenschläge haben alle dieselbe Grundfarbenanlage, und es müsste daher ein leichtes für den Richter sein, einen guten Dreifarbigen zu beurteilen, festzustellen, ob oder ob nicht ein Schwefeldreifarbiger oder ein Silberdundreifarbiger ein guter Vertreter seines Farbenschlages ist. Die Kupfer sind zur Zeit selten und sollen nicht übersehen werden, aber diese Farbvariation muss unbedingt ein klares Flügelkupfer habe oder eine tadellose Säumung. Die gehämmerten Kupfer, welche tatsächlich nichts anderes sind als Dreifarbige mit nicht genügend blau, müssten als ebenso schlechte Repräsentanten ihres Farbenschlages angesehen werden wie die sogenannten Dreifarbigen, bei welchen der einzige Teil der Kupferfärbung aus den Binden besteht. – Es gibt noch eine andere Farbenklasse die man betrachten könnte, und das sind die Rotfahlen und ihre Unterart, die cremefarbigen. (Mit Rücksicht auf die evtl. kommende Weltmusterbeschreibung heben wir hier den Notizen über die uns bisher nicht gezüchteten Farbenschlägen Raum. Der Übersetzer.) Diese bei anderen Taubenrassen so gut bekannten Farben scheinen bei den Modenesern nicht ganz in Ordnung zu gehen. Ist man sich scheinbar darüber einig, dass bei einem rotfahlen Tümmler bzw. bei einer rotfahlen Taube einer anderen Rasse ein reingefärbter Flügel mit zwei roten Binden vorhanden sein muss, so scheinen verschiedene Modeneserrichter anzunehmen, dass beim Modeneser dieser Farbe zwei rote Flügelbinden und ein einigermaßen guter Schwanz genügen und es dabei nichts ausmache ob die Taube außerdem gehämmert, gesäumt oder irgendeiner Farbe gefleckt ist. Das, was hier gesagt wird, bezieht sich gleichfalls auf die Cremefarbigen, und man sollte sich klarmachen, dass die Schönheit eines wirklich  rotfahlen Modenesers in der Reinheit seiner Flügelfärbung gefunden werden kann, ebenso wie bei einem blauen Modeneser die Hauptanziehungskraft dahin zu suchen ist, dass die Flügel eine restlos sauber Farbe haben, deren Eindruck durch die guten Binden erhöht wird. Endlich soll noch eine Farbe erwähnt werden, welche dem preisrichterlichen Ermessen unterworfen ist und dabei oft Schwierigkeiten verursacht, die sogenannte Magnanifarbe. Mit ihr werden Fragen aufgeworfen, die zu umfangreich sind, um hier im Rahmen eines Jahrbuches behandelt werden zu können. Soviel sei indessen gesagt: Richtig Magnani (wir scheinen es bei diesem Wort mit einer Ableitung von einem italienischen Züchternamen zu tun haben, wir werden noch darauf gelegentlich zurückkommen.) zu beurteilen, heißt solche zur Preisvergebung herauszusuchen, wo die Farben recht auffällig gemischt sind. Je mehr Farbe auf einem Magnani in der gewünschten Verteilung vorhanden ist, um so besser ist die Taube. Regelmäßig wird man einen Modeneser, der in seiner Färbung einem gutem Almond entspricht, als feingefärbten ansehen können. Gleichermaßen wird ein Modeneser, der starke Ähnlichkeit in der Farbe mit einem schwarzen getigerten (gesprenkelten) Amsterdamer Ballonkröpfer aufweist, so wie wir es schon des öfteren auf kolorierten Musterbildern gesehen haben, als guter Magnani anzusprechen sein, natürlich also nicht etwa mit einer Flügelrose, sondern mit schwarz-weiß-Zeichnung jeder Feder. Modeneser mit einer vollen bräunlichen Farbe und einigen wenigen dunklen Federn an dieser oder jener Gefiederstelle sind leicht zu züchten, können aber dessen ungeachtet nicht in den Klassen für ältere Tier als Magnani anerkannt werden, auch wenn sie noch so gut im Typ sein sollten. Bei diesen Farbenschlag sind die Jungklassen begreiflicherweise noch weit schwieriger zu richten, da Jahre dazu gehören, um aus einem Magnani ein wirklich schönes Ausstellungstier zu machen. Aber wenn man beim richten solcher jüngeren Magnanimodeneser größte Aufmerksamkeit einem scheinbar unbedeutenden Punkt widmet – nämlich den Farbenerscheinungen des Schwanzes, so wird das zur guten Führung bei der Frage dienen, ob oder ob nicht eine Taube sich zum feinen Magnani herausmausern könnte. Wenn die Schwanzfedern nämlich die gute Abgrenzung der Farben betonen , so wird sich der betreffende Modeneser wahrscheinlich zu einem wertvollen Ausstellungstier entwickeln.

 

Ein anderer Punkt der eines Eingebens für wichtig erachtet werden sollte, ist die Beobachtung, dass bei Magnanis Täubinnen von guter Farbe sehr selten sind, so dass man sie nicht unter denselben Vorraussetzungen wie die Täuber richten kann. Das ist in der Tat das genaue Gegenteil der Wahrnehmungen, die man bei den meisten anderen Modeneserfarben machte, denn es ist nur zu gut bekannt, dass es ziemlich leicht ist, dreifarbige und blaue Täubinnen zu züchten, die sich durch gute Farbe auszeichnen. Ein in Farbenpunkten feiner Täuber dieser Schläge ist indessen ein weit schwierigerer zu fabrizierender Artikel. /Man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass gerade die Modenesertaube, wenn sie in ihren vielen Farbenschlägen gehegt wird, eine der geeignetesten Tauben für die Forschungsversuche der Vererbungswissenschaftler ist. Wir fahren nun in der Lektüre des Jahrbuches fort, indem wir uns dem zuwenden, was dort Herr Holmes über Größe und Farbe des Modeneser zu sagen weiß, Es ist anzunehmen, dass auch feine Notizen bei den Vorarbeiten zur Weltmusterbeschreibung willkommen sein dürften, wenn man berücksichtigen will, in welchen Umfang sich der Modeneser des nichtdeutschen Typs durchsetzen vermochte.)

 

Wer Modeneser züchtet, so sagt der genannte Herr, muss Sinn für Proportionen besitzen und sich nicht zuletzt von der Erwägung leiten zu lassen, dass der moderne Modeneser von vielen Punkten abhängig ist. Und über allen sollte die Erkenntnis stehen, dass der moderne Züchter stets nach einer Schönheit streben muss, die als solche in den Augen des allgemeinen, außerhalb der Züchterweltstehenden Publikums empfunden wird. Mit solcher Einstellung wird man vielen Problemen unserer Rassentaubenzucht die richtige Wendung geben können. Die Körpergröße ist sicherlich ein wichtiger Punkt in der Modeneserzucht: sollte es wirklich Züchter geben, welche die Frage nicht beantworten könnten: Würde ich bei dieser Taube eine, ein wenig kleinere oder eine, ein größere Körperform bevorzugen? Wir dürfen uns wohl kam der Hoffnung hingeben können, bei den Menschen oder bei den Modenesern eine ganz genaue Festlegung der Standardgröße zu erreichen, beide werden variieren. Wenn wir aber mehr oder weniger auf eine stämmige Taube sehen, so werden wir uns mit dieser Anschauung nicht neben das Nest setzen. Das Pendel mag ein wenig hin- und herschwingen, aber das Gegenwärtig erreichte Gleichgewicht kann nicht mehr zerstört werden. Seitdem uns ungefähr um die Zeit des Weltkrieges herum Modeneser vom Kontinent über Frankreich, Italien und Belgien  erreichten, ist bei uns die Modenesergröße etwas verstärkt worden, ganz bestimmt spielen hier Klima und Fütterung eine gewichtige Rolle. In den letzten Jahren hat sich die Zucht unserer Rasse kein wesentlicher Umschwung ereignet. Einige Zuchtstämme mögen etwas schwächer geworden sein, weil Ihnen ein wenig neues Blut fehlte, aber alle diese zeitweiligen Abirrungen pflegen bald einer ausreichenden Korrektur zu werden, wenn die ausbleibenden Schauerfolge den Züchter belehrt haben, dass er sich auf einem falschen Pfad befindet und dass er seinem Material eine verkehrte Wendung  in der Zuchtrichtung gab. Modeneser gehören nun einmal der Taubenrasse an. Die in ihren Standardpunkten tadellos gekennzeichnet ist. Ebenso wie man leicht vom Wege abkommen kann, so findet man auch in der Modeneserzucht schnell den Rückweg zur richtigen Straße, auf der die große Mehrheit der Züchter die schönsten Erfolge erringt. Um es zusammenzufassen: Ich glaube nicht, dass die Körpergröße des heutigen Modeneser zu irgendwelchen Beanstandungen Anlass gibt oder die Züchter diesbezügliche Ratschläge nötig hätten. Der stark ausgeprägte Anschlusssinn der zahlreichen Modeneserzüchter verhindert hier von vornherein ernstlich Irrtümer.

Wir kommen nun zu den bedeutungsvollen Farbenfrage. So wichtig die Farbe auch sein mag, so ist sie doch nur ein Punkt, und bei uns sind zweifellos einige oft prämierte Modeneser nicht einwandfrei in der Farbe. Aber – wie oft mag ein wirklich schlecht gefärbter Modeneser  unter den ersten Preistieren sein??? Der prächtigen Farbe wegen allein kann man keinen Modeneser auf den ersten Platz stellen, und wenn man so sehr einer solchen Taube auch den Sieg und Bewunderung wünschen möchte. Denn es gehören dazu auch noch andere Vorzüge, und hier ist der Sinn für Proportionen, welcher das letzte Wort zu reden hat. Ich persönlich bi ganz großer Liebhaber schöner Farben und werde nur mit den größten Bedenken einen Modeneser hoch prämieren, dessen Farbe schlecht ist oder verzeichnete Binden hat. Aber wenn eine solch Taube wirklich alle anderen im Typ überragt, was kann man da halt machen? Denke sie einmal darüber nach, Herr Modeneserzüchter, der Sie geneigt sind, zuviel Aufmerksamkeit auf einen Punkt zu konzentrieren, wie leicht Sie den anderen Züchter gegenüber in den Hintergrund treten können, welcher auf das große Ganze steht und einen Modeneser mit gutem Allgemeineindruck liebt und auch dann, wenn solche Tauben möglicherweise in diesem oder jenen Punkte nicht zu Hundertprozent die Misterbeschreibung erfüllt. Stellen Sie einen Modeneser mit guter Farbe und Zeichnung und von durchschnittlich gutem Typ aus, und Sie werden erleben, wie er einen anderen Modeneser , der schlecht in der Farbe ist, haushoch schlägt, wenn dieser auch in einigen anderen Punkten besser sein mag. Die attraktive Taube siegt!

 

Ich möchte hier noch etwas über die Farbe der Binden sagen. Die Farbe der Binden oder besser gesagt: die Farbe überhaupt ist es, welche den Modeneser so seltsam abweichend, von anderen Taubenrassen gestaltet. Man muss den größten Wert auf intensives Kupferrot, Schwefel oder Ziegelrot bei den Blauen legen bzw. bei den Silberfarbigen oder Silberdunfarbigen (ersteres gilt zwar nicht für die deutschen blauen Modeneser, aber doch für den weitaus größten Teil der Weltmodeneserzucht, also für italienische, holländische, belgische, französische, englische und amerikanische Modeneser) und natürlich auch bei den dahin gehörigen Gehämmerten.  Nehmen wir Kupferdreifarbige als Beispiel. Steht nicht ein Modeneser dieses Schlages mit leuchtender Kupferbinde und guter, mäßig offener Hämmerung denjenigen Modenesern weit voraus, welche stumpf in der Farbe sind. Eine Wagenladung der letzteren kann nicht eine solche intensiv gefärbte Taube ersetzen! Denken wir auch einmal an Gelb und Rot. Sind die anderen Tiere in solchen Klassen nicht ganz gewaltig im Typ voraus, so gewinnt ein Tier mit leuchtender Farbe auf den ersten Blick hin! Man sollte nicht jenen folgen, welche damit zufrieden sind, wenn überhaupt nut der Typ vorhanden ist, sondern man sollte es sich klarmachen und es in die Praxis umsetzen, wie unendlich besser die züchterischen Leistungen sein werden, wenn der Modeneserzüchter in seiner Zucht eine gute Farbe festigen kann.

 

Wissen Sie übrigens, dass jede Farbe einer gebänderten Taube ihr ganzfarbiges Gegenstück hat. Sehen wir uns also bei den Modeneser mal die äußeren Binden an:

 

Blau m. Binden                                = einfarbig, schwarz

Silber m. Binden                              = Richtiges Dun (tiefe, intensive Farbe)

Silberdun m. Binden                        = Braun, ins hellere Dun überspielend

Schwaches Silberdun m. Binden       = Schwaches braun in einen helleren Ton verlaufend

Rotfahl m. Binden                             = rot

Cremefarbig m. Binden                     = gelb

 

Das Innenverhältnis der einzelnen Farben zueinander ist sehr interessant. Weißbindige Blaue sind solche blaue Modeneser, bei denen das Kupfer in der gleichen Weise verblichen  ist wie bei den sogenannten blauen Argents (Argent=Silber), wo Kupfersäumung vorhanden ist und das Kupfer ausgezogen, verschossen ist. In diesem „Farbenschwundfaktor“ ähneln die Modeneser den orientalischen Möwchen und es soll hierbei erinnert werden, dass diese ausbleichende Farbe niemals das reine Weiß erreicht. Stelle die mit den hellsten Flügelschildern ausgestattete Modenesertaube oder ein ebensolches orientalisches Möwchen gegen eine weiße Pfautaube, denn dann lässt sich leicht entscheiden, was weiß ist und was nicht weiß ist!

 

Schließlich noch ein Wort über Magnani. Magnani sind Farbenanarchisten und mir ist kein Parallelfall bei wildlebenden Tieren bekannt. Wie der erste Almond oder Magnani entstand, ist mir unbekannt, obgleich ich vermute, dass eine rotfahle oder rotgehämmerte oder cremefarbige oder gelbgehämmerte Taube damit etwas im Beginn dieser Zucht zu tun hatte. Noch weiß ich wenig von den Magnani, aber ich kann eins verraten: Eine Magnanitäubin fällt nur aus einer Paarung, wo der Täuber ein Magnani ist. Ein Schiettitäuber wird mit einer Magnanitäubin niemals eine Magnanitäubin hervorbringen! (Alles sehr interessante Beobachtungen, man möchte die Frage erheben, ob hier das „niemals“ wirtschaftlich unabänderlich ist??) Ein paar Magnani kann ebenso gut Schietti wie Magnani hervorbringen., so wie es auch bei Magnani/Schietti und bei Schietti/Magnani der Fall ist, aber ein Schiettipaar wird, selbst wenn es hundertprozentig Magnaniblut führt, niemals einen Magnani produzieren.

 

Damit wollen wir für heute unsere Veröffentlichung abschließen, obwohl das Jahrbuch noch weitere wissenswerte Feststellungen in Musterbeschreibungsfragen usw. enthält auf die an anderer Stelle des Blattes noch zurückgekommen wird.

Modeneserfreund aus dem Jahre 1938