Die Modeneser

Der Modeneser gehört zu den Rassenutztauben, er bringt leicht in Jahre 6 Bruten hoch, ist auch fluggewandt, so dass er gut in Freiflug gehalten werden kann. Er besticht durch edle, abgerundete Formen, wobei das Verhältnis der Höhe zur Länge sich wie 3:2 verhält. Dass der Hals recht lang, aber kräftig und ganz leicht gebogen ist, versteht sich bei einer Huhntaube von selbst. Ebenso wichtig ist die Höhe der Stellung, wobei auf reichlich sichtbare Schenkel und unbefiederte, mittelstarke, aber auch lange Ständer besonders geachtet werden muss. Die erwähnte Länge des Halses wird durch eine gut ausgeschnittene Kehle unterstrichen. Wamme oder zu starker Oberhals würden den Hals plump erscheinen lassen.

 

Um die Kürze der Taube mehr hervortreten zu lassen  wird auf breite, volle und gut gerundete, aber keineswegs gespaltene Brust Wert gelegt. Wie bei allen Huhntauben ist der Bauch recht voll und gut mit Flaum besetzt, um eine recht gefällige untere Begrenzungslinie des Körpers zu erzielen. Das der Schwanz so kurz wie möglich sein soll, ist selbstverständlich. Er wird ein wenig hoch, aber nicht so steil wie beim Malteser getragen. In dieser Beziehung erinnern unsere Modeneser sehr weitgehend auch heute noch an ihre Vorfahren aus Italien. Aber auf guten Schluss des Schwanzes ist zu achten.

 

Während nun alle anderen Huhntauben entweder einfarbig oder wie Florentiner und Huhnschecken mit eigenartiger Zeichnung gezüchtet werden, unterscheiden wir bei den Modenesern drei Spielarten nach der Gefiederfärbung. Hiervon sind die Magnani fast ausgestorben, dagegen gibt es heute einfarbige  - auch mit weißen Binden, gehämmerten oder geschuppten Schild. – und die Gazzi mit einer Zeichnung, die genau mit der der Strasser übereinstimmt. Nun heißt zwar „Gazze“ (Mehrzahl „Gazzi“)Elster, aber es wäre verfehlt, etwa diese Spielart der Modeneser als geelstert zu bezeichnen, weil wir unter einer Elsterzeichnung bei Tauben etwas ganz anderes verstehen. Die einfarbigen Modeneser werden bei uns meist als Schietti bezeichnet, wozu eigentlich kaum Veranlassung besteht., zumal ja der Farbenschlag jeweils doch noch besonders bezeichnet werden muss. Aber gegen solche Gewohnheiten ist nun mal schwer anzukämpfen.

 

Scheinbar gibt es in Italien noch viel mehr Farbenschläge als bei uns, wie wir in Rom feststellen konnten. Bei uns sind bei den Schietti anerkannt: Einfarbige in schwarz, Kupfer, Blau, Rot, Gelb, Silber, Fahl und Weiß. Viele hiervon kommen auch mit weißen Binden, blau – oder schwarzbindig oder auch braunmarmoriert vor. Die Gazzi zeigen auf weißem Grunde eine einen farbigen Kopf, farbige Flügel, einschließlich der Schwingen und farbigen Schwanz mit Schwanz mit farbiger oberer und unterer Schwanzdecke. Dabei ist es wesentlich, dass die Kopffarbe und Körper- bzw. Schwanzfarbe übereinstimmen. Ein Tier mit schwarzen Schwanz soll also nicht etwa blauköpfig sein. Die Begrenzungslinie des farbigen Kopfes soll zum Genick ungefähr 3-4 cm unterhalb der Kehle verlaufen. Auf guten Kopfschnitt, der also nicht nach dem Auge zu einspringen darf, ist zu achten. Der Hinterkopf und das Genick sollen weiß bleiben. Hier darf sich also der farbige Kopf nicht zu weit nach unten ziehen.

 

Dass weißbindige Tiere bei den Schietti und den Gazzi schmale und durchgehende Binden aufweißen sollen, ist wohl klar.

 

Als grobe Fehler sind vor allem anzugeben plumpe Körper, X-beinige Stellung und gebrochene Augen. Grobe Zeichnungsfehler entwerten besonders die Gazzi. Allzu peinlich sollte man aber hierin auch nicht vorgehen., denn die Modeneser sind, wie alle Huhntauben, in erster Linie Formentauben, bei denen einige fehlfarbige Federn auch dann nicht zu sehr stören, wenn Sie vor der Schau nicht entfernt wurden.

 

Deutsche Geflügelzucht Leipzig den 11.06.1943