Modeneser – Magnani

Farbe und Form sind für den Modeneser in gleicher Weise kennzeichnend, und es ist tatsächlich schwer zu sagen, welchem der beiden Merkmale man bei der Beurteilung größeren Wert beizulegen habe. Wenn wir uns heute ausschließlich mit dem Magnani, für den wir uns bis heute noch keine rechte Deutsche Bezeichnung besitzen, befassen, so deshalb, weil über diese Rasse noch Unklarheiten vorherrschen, wie auf den letztjährigen Schauen mehrfach beobachtet werden konnte. Man kann wohl sagen, dass der Magnani in Deutschland erst seit dem in Leipzig stattgefundenen Weltgeflügelkongress weiteren Kreisen der Taubenliebhaber bekannt geworden ist. Doch das von den Italienern angelieferte Material  konnte vor allem im Rasseschnitt wenig Beifall finden, da es sich meist um langfedrige, niedriggestellte Vögel handelte. Darum ging man daran, vor allem im Rassetyp eine Veredelung anzustreben. Das ist auch fraglos in großem Maße geglückt, wenn wir auch lange noch nicht fertig sind. Besonders in den Kopfpunkten zeigen sich in den Ausstellungskäfigen Vögel, die jegliche Feinheit vermissen ließen und rechtgrob in Schädeln und Schnäbeln waren. Die Eigenart dieser Rasse wir in erster Linie bestimmt durch die Farbe, hauptsächlich beim männlichen Tier. Gewünscht werden drei bis vier Farben, und zwar entweder auf silberfarbigen bzw. schmutzigweißem und hell- bzw. dunkelcremefarbigen Grund, zeigen jedoch nur wenig Spritzerzeichnung. Dies muss bei dem noch aufzustellenden Standard besonders betont werden, um Irrtümer bei der Beurteilung in dieser Richtung weitgehend auszuschalten. Es liegt in der Zeichnung eine geschlechtsgebundene Vererbung vor; Täubinnen können nicht so farbenprächtig gezeichnet sein wie die Täuber. Bei der Färbung der Magnani handelt es sich um eine Almondfarbe. Sie ist orientalischen Ursprungs; man trifft sie bei verschiedenen Taubenrassen, z.B. den Almondtümmlern, den indischen Segler, den orientalischen Rollern u.a., an. Übrigens züchten die Magnani nicht sicher in Bezug auf Farbe, und so kann es passieren, dass im Laufe eines Zuchtjahres von einem Paar die verschiedensten Farben im Nest liegen. Eine Eigenart, die auch bei Blondinetten und Satinetten beobachtet wird. Das darf aber keineswegs dazu führen, alle diese Tiere in den Schaukäfig zu stellen und mit den ausgefallensten Fantasienamen zu belegen. So fanden wir in den letzten Jahren u.a. folgende Bezeichnungen: chamäleonfarbig, rosacremefarbig, lachsfarbig, erbsgelb, isabellenfarbig. Es ist vollständig sinnlos, sich mit einer Rasse so zu verzetteln, in der sich vielleicht ein Spezialist herausfinden würde. Vielmehr sollte die Satzung bei der Aufstellung des Standards nur zwei Farbenschläge zulassen, und zwar Tiere mit silberfarbigen und solche mit cremefarbigem einschließlich rötlichfahlem Grund. Alles andere ist von Übel. Wir sollten den Dänen, die bei ihren gestippten Tümmlern nur zwei Farbenschläge in den Standard aufgenommen haben, und zwar Gold- und Silberstipper, nacheifern. Wohl haben die Zwischenfarben im Zuchtschlag ihre Existenzberechtigung; sie gehören aber nicht in den Ausstellungskäfig, ganz abgesehen davon, dass eine sich verzettelnde, zwecklose Klassenaufteilung notwendig wäre.

 

Für jüngere Züchter, die mit der Zucht der Modeneser –Magnani noch weniger vertraut sind, ei erwähnt, dass besonders die Spezies mit dem silberfarbenen Grundgefieder und schwarzen Spritzern das Federkleid mit zunehmenden Alter sehr verändert. Im ersten Lebensjahr sind die Tiere verhältnismäßig hell, dunkeln jedoch dermaßen nach, dass bei 3 oder 4 jährigen Tieren von einer schwarzen Grundfarbe mit weißen bzw. silberfarbenen Spritzer gesprochen werden kann, jedoch nur bei den Täubern, wohingehend die Täubinnen meist hell bleiben. Schon kurz nach dem Ausfliegen der Jungtiere tritt eine auffällige Veränderung des Federkleides ein, die so weit geht, dass der Züchter bei längerer Abwesenheit während der Mauserzeit die Tiere äußerlich nicht wiedererkennt. So reiht sich in dieser Zucht die Kette von Erlebnissen, die in ihrer Gesamtheit die Freude an dieser Zucht ausmachen. – Um nun Klarheit in die Bewertung zu bringen, wurde gelegentlich der im Juni d. Jahres in Leipzig stattgefundenen Versammlung beschlossen, anlässlich der “Mirama“ in Magdeburg Anfang Dezember 1951 im Rahmen der Sonderschau bei ermäßigten Standgeld eine Spezialschau von Magnani einzubauen. Auf eine Bewertung soll verzichtet werden: vielmehr sollen die Punkte eindeutig und klar herausgestellt werden, auf die es im wesentlichen ankommt. Deshalb ergeht an alle Anhänger der Ruf, die Magdeburger Schau bestens zu beschicke. Es sind nicht nur solche Tiere zu zeigen, die der künftigen Musterbeschreibung entsprechen, sondern es sind auch Tiere erwünscht, wie wir sie nicht haben wollen. Da die Modenesertaube eine Wirtschafttaube ist, müssen alle Momente ausgeschaltet werden, die den Wirtschaftswert irgendwie beeinträchtigen könnten. Sie verliert sonst, vor allem unter den ländlichen Taubenhaltern, an Anhängerschaft, und damit wird es auch für den Rassezüchter schwierig, seine überzähligen Tiere abzusetzen. Sind die Züchter dann erst einmal gezwungen, die Zucht wegen schlechter Absatzverhältnisse einzuschränken, dann pflegt es mit der Rasse im allgemeinen bergab zu gehen. Es muss daher Züchtern – nicht nur des Magnani, sondern des Modeneser überhaupt – empfohlen werden, unentwegt dem heutigen Zuchtziel nachzustreben, um dadurch der Rasse ihre große Lebhaftigkeit im Verein mit leichter und guter Fruchtbarkeit zu erhalten.

Schiebe, Westdeutsche Geflügelbörse 1951

 

                                   

Modeneser-Gazzi und seine Farbenschläge

Der aus der italienischen Heimat des Modenesers stammende Name „Gazzi“ heißt „geelstert“. Wir versthen unter dieser Bezeichnung etwas ganz anderes. Die Zeichnung der Gazzi ähnelt der des Strassers, mit dem Unterschied, dass die Kopfzeichnung runder und die Rückenfarbe weiß verlangt wird. Zackige Kopfzeichnung und langer Latz wirken beim Modeneser unschön. Die Schnabelfarbe entspricht der Zeichnungsfarbe: als dunkel bei den Dunklen und hell beim roten und gelben Farbenschlag. Die Augenfarbe ist orangerot, bei den helleren Farbenschlägen etwas lichter. Der Augenrand weiß bis rosafarbig, aber nicht rot. Jede weiße Feder im Flügelist sehr fehlerhaft, darf auch nicht entfernt werden; hingegen können farbige Federn in den weißen Gefiederteilen beseitigt werden, wenn dadurch keine nachten Stellen entstehen. Durch den weißen Rücken bedingt, ist auch die Forderung reinweißer Schenkel unser Wunsch, wenn auch unbedeutende Höschen bei guter Lackfarbe des schwarzen Farbenschlages noch geduldet werden. Vorsicht ist geboten bei unreiner Keilfarbe, da sich dieser Fehler leicht vererbt. Darum nie zwei Tiere mit gleichen Fehlern verpaaren.. Eine gute Huhntaubenform mit gut markierten Schenkeln ist das Hauptmerkmal eines guten Modeneser. – Der schwarze Farbenschlag steht bereits auf hoher Stufe. Oft zeigen sonst sehr feine Tiere kleine Fehler in der Regenbogenhaut. Darauf hat der Züchter bei der Verpaarung zu achten. Ganz hervorragende Fortschritte hat der „blauhohle“ Farbenschlag gemacht und auch sehr an Verbreitung zugenommen. Bei sehr feiner hellblauer Farbe ist es nicht leicht, intensive Schwingenfarbe zu erzielen. Dasselbe gilt auch für die Blauen mit Binden. Hier ist noch besonders auf eine feine schmale, oben nicht zusammenlaufende zu achten. Die Gehämmerten zeigen gute Fortschritte; eine gleichmäßige Hämmerung sowie eine schwarze Binde mit rostfreien Schwingen sind schon vielfach erreicht worden. Die vor dem Krieg bereit sin feinster Qualität gezeigten Braungesäumten haben noch nicht wieder ganz aufgeholt. Es Bedarf noch intensiver Züchterarbeit, auf dem glanzvollen , mahagonifarbigen Schild einen feinen, glänzenden Saum rund um die Feder zu erreichen. Seltener geworden sind die Braunschildigen, bei denen das Flügelschild gut gleichmäßiges Braun ohne Saum oder Hämmerung zeigen muß. Als fehlerhaft gilt, wenn die Schwingen 2. Ordnung blaue Spitzen zeigen. Der früher sehr beliebte marmorierte Farbenschlag ist leider sehr seltengeworden. Durch Einkreuzung von Braunen und Braungesäumtin Schwarz und Blau ist die marmorierte Mischung auf dem Flügelschild in guter gleichmäßiger Verteilung herausgezüchtet worden, so dass auch dieser Farbenschlag einen besonderen Reiz bietet. Die roten und gelben Gazzi waren durch den Krieg fast verschwunden. Die letzten Schauen zeigten jedoch, dass wieder erfolgreich an diesem Farbenschlägen gearbeitet wird.

Esche, Westdeutsche Geflügelbörse1951