Die Modeneser Taube

Die Modeneser Taube hat ihren Namen nach der Stadt Modena (Italien) und heißt in ihrem Heimatlande Colombi di Modena (Taube von Modena). Modena liegt in Oberitalien, rechts des Flusses Po und zwar noch in der Po-Ebene, jedoch mehr am Fuße der Ligurischen Ostappeninnen. In Italien ist der Modeneser in früheren Jahren zu Flugwettspielen verwandt worden. Die ersten Tauben dieser Rasse kamen Ende des 18. Jahrhunderts nach Deutschland und zwar nach Frankfurt (Main). Italienische Emigranten waren es, die uns zu dieser Rasse verhalfen. Bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die Modeneser Taube in der Gegend Frankfurts festgestellt. Danach fehlen Anhaltspunkte. Einige Zeit später fand man sie in Sachsen, wo sie sich schnell verbreiteten und ernsthafte Züchter uns das Kleinod erhielten. Im Jahre 1912 wurde dann auch der Sonderverein der Modeneser Taube mit dem Sitz in Döbeln/Sachsen gegründet. Der unvergessliche Zfr. Hugo Peschke  aus Döbeln, der wohl als der beste Kenner dieser Taubenrasse anzusprechen ist, leitete den Sonderverein in vorbildlichster Weise bis zu Kriegsende.

Wie in anderen Zuchten, so hat auch bei uns Modenesern der unheilvolle Krieggroße Lücken in die Bestände gerissen; die Zonengrenze tat das Übrige und trennte uns westdeutsche Züchter ab vom „Reservoir“, wenn man Sachsen in diesem Falle so nennen darf, Wenige Züchter waren es, die mit Nachzuchten aus dem „Eisernen Bestand“ die erste Junggeflügelschau Hannover nach diesem Krieg, beschickten. Etwa 30 Modeneser Gazzi und Schietti in den Farben schwarz, blau, braungesäumt sowie rot gelb präsentierten sich dem Besucher. Man konnte doch feststellen, dass einige Züchter am Werke waren und es noch sind, den Modeneser  wieder in der Qualität und Quantität so zu zeigen , wie man es zuvor gewohnt war. Hierbei käme eine Vereinigung aller Modeneser-Züchter sehr zu Hilfe. Auf der ersten Nachkriegsschau in Hannover fanden sich ja schon einige Züchter zusammen; doch wenn der einstmals bestehenden Vereinigung unter Peschke nachgeeifert werden soll, müssten es alle sein, die Modeneser Züchter sind und es werden wollen. Vor allem, beteiligt euch an den führenden Schauen und zeigt den Stand der Zucht.

Der Modeneser ist wohl die kleinste in der Rasse der Huhntauben, die sich ja in Figur fast gleichen: hohe Ständer, lange Unterschenkel und dazu langen Hals. All diese Merkmale sind jedoch so in Grenzen gehalten, dass das Flugvermögen nicht darunter leidet, wie etwa beim Malteser. Es ist tatsächlich ein Meisterstück deutscher Formenzucht und es liegt nahe, dass seine wundervolle Figur für ihn einnimmt. Ebenso empfiehlt ihn die Schönheit und Mannigfaltigkeit  der Farben und Zeichnungen; stellt er doch in dieser Hinsicht fast alle in den Schatten. Schon die einfarbigen Schietti in schwarz, gelb rot, blau, dunkel- und hellrotschildig bieten eine Vielzahl gefälliger Färbungen, dass für jeden Geschmack etwas darunter sein sollte. Dazu kommen aber noch die Gazzi mit ihrer Prunkenten strasserähnlichen Zeichnung in ebenso vielen Variationen. Wenn auch für den Taubenliebhaber in erster Linie die schlichteren Farbenschläge in Betracht kommen, so ist der Modeneser doch eine so durchgezüchtete Rasse, dass sich auch die Komplizierten leidlich behaupten. In jedem Falle wird er mit seiner herrlichen Form und seinen wundervollen Farben eine Zierde des Geflügelhofes bilden. Darüber hinaus hat der Modeneser in seinem Wesen Vorzüge, die auch den gleichgültigsten Taubenhalter für diese Rasse gewinnen müssen. Er ist von einer so lebenssprühenden Beweglichkeit, wie man sie so ausgeprägt bei keiner anderen Rasse findet, Sein Gehaben atmet eine Sorglosigkeit und Fröhlichkeit, die mitreißt wie das Lachen einer Rheinländerin. Dabei ist er zutraulich und umgänglich als ob ihm nie ein Leid widerfahren könnte. Untereinander sind die Modeneser viel verträglicher als ihre nahen Verwandten, die Malteser, Und wer einen Blick für die Grazie ihrer Bewegungen hat, der wird auch daran seine besondere Freude haben.

Ich habe nun versucht, Dir lieber Leser dieser kleinen Abhandlung, den Modeneser so vor Deinen Augen erscheinen zu lassen, dass das Wesen mit seinen hervorstehendsten Eigenschaften unverkennbar ist. Mit der Musterbeschreibung soll ein andermal dieser Artikel fortgesetzt werden. Am Schluss möchte ich noch einmal an die Züchter appellieren, dem Sonderverein der Modeneserzüchter (Westzone) beizutreten, um weiterhin eine bestehende klare Linie in allen Züchterfragen beizubehalten.

Über einen Vorschlag , zünftig die Züchter aller Huhntaubenrassen in einem Sonderverein zu erfassen, bitte ich ebenfalls um Ihre geschätzte Meinung. Alle Anschriften sind zu senden an  Jakob Stier, Dörnigheim, Bahnhofstr.

 

Bericht aus dem Deutschen Kleintierzüchter

12/1952 von Jakob Stier