Wie steht es heute um unsere Modeneser Schietti!

Der Verfasser erachtet es für erforderlich, über eine bei uns in Westdeutschland wenig beachtete und doch so beliebte Taubenrasse die Feder zu führen: die Modeneser Schietti.

Die Schietti stehen in der Gegenwart auf verhältnismäßig hohem Niveau! Von den wenigen westdeutschen Schiettizüchtern wurde in den Nachkriegsjahren Hervorragendes geleistet, das beweisen die hohen erzielten Preise auf führenden Schauen! Trotz alledem ist der westdeutsche Schietti-Idealist eines Tages am Ende seiner Künste, wenn er sich nicht rechtzeitig um neues Blut kümmert, das er in erster Linie aus dem Lande der Tauben (Sachsen) beziehen kann. Was man so heute bei sächsischen Züchtern antrifft, sei es Nohle, Esche, Großmann, Matthäi, und viele andere mehr, das ist fast durchweg Elitematerial! Ich erwarb dieses Jahr eine VE Täuber in Blau mit weißen Binden von Altmeister Esche. Man bringt diese Opfer gerne, weil man als Spezialzüchter weiß, was der Import eines wertvollen Tieres aus Sachsen für die Zucht bedeutet! Gerade die Blauen mit weißen Binden, die ja sowieso bei uns in Westdeutschland auf der „Abschreibungsliste“ stehen, wollen wir vor dem Untergang bewahren. Es ist anzunehmen, dass man in Zukunft auch diesen herrlichen Farbenschlag in feinsten Exemplaren wieder auf unseren Schauen zu sehen bekommt.

Die dunkelhellschildigen Schiettis findet man zahlenmäßig noch am meisten in unseren verhältnismäßig kleinen Beständen, leider jedoch noch in sehr unterschiedlicher Qualität. Für mein Dafürhalten wäre es an der Zeit , dass wir die Tiere, die Dreizackzeichnung tragen, aus den Zuchtbeständen verschwinden lassen sollten. Es geht nicht an, dass man sich immer wieder mit nicht standardgetreuer Zeichnung bei den Dunkelhellschildigen herumschlägt, die doch in erster Linie durch die Verwendung freizackgezeichneter Tiere auftritt. In der Ostzone ist man schon einige Zeit soweit und lässt die Tiere mit Dreizackzeichnung auf Schauen nicht mehr über „b“ hinauskommen, meines Erachtens das einzigste wirksame Mittel zur Ausschaltung dieser Tiere. Es ist und bleibt eine irrige Ansicht, behaupten zu wollen, die dunkelhellschildigen Schiettis mit Dreieckzeichnung wären noch für die Zucht gut zu verwenden. Ich bin schärfster Gegner dieser Ansicht, da ich bisher immer wieder Lehrgeld zahlen musste. In der 2. oder 3. Generation tritt die Zeichnung bestimmt wieder in mehr oder weniger großem Umfang auf (teils angedeutet und auch in reiner Zeichnung). Wir verlangen nun mal von unseren Dunkelhellschildigen eine feine Säumung und keine sonstigen Abarten. Bisher konnte ein mit Dreieckzeichnungbehaftetes Tier auf einer Schau ein „sg“ erhalten, während das mit feiner Säumung ausgestattete Tier nur ein „g“ oder sogar nur ein „b“ erhielt, nur weil es etwas viel Rost im Schild führte. Dieses Standpunkt dürfen wir auf keinen Fall mehr länger vertreten, dies sei meine Bitte an alle Schiettizüchter. U.a. findet man auch Tiere, die die Bezeichnung dunkelhellschildig bestimmt nicht verdient haben, denn es sind größtenteils Blauhellschildige (von der Brust aus geht die dunkle Grundfarbe in ein reines Mittelblau über. Peschke, der Verfasser des Buches „Die Modenesertaube“, führt die gleichen gemachten Erfahrungen an.

Bei den Rothellschildigen sind wir insofern ein schönes Stück weitergekommen, dass wir die Grundfarbe intensiver herauszüchten konnten, und so einen besseren Farbkontrast erzielten. Nur auf eines ist immer wieder zu achten, und das wäre, dass nicht der bläulich aussehende sowie der ins Dunfarbige übergehende Schwanz mehr durchkommt. Vielleicht ist auch der dunkle Schnabel bei hellschildigen Tieren noch zu beobachten. In der vergangenen Zuchtsaison ist es mir gelungen, durch Verpaarung von Rot mit Rothellschildig (erstens) die Grundfarbe wesentlich zu verbessern, aber auch ein sehr feingesäumtes und sehr helles Schild herauszuzüchten. Wie ja in Fachkreisen bekannt sein dürfte, bekommt rothellschildige Schietti erst nach der zweiten Mauser ein gleichmäßiges helles Flügelschild, sofern er von den Eltern her gute Erbanlagen in dieser Hinsicht besitzt. Bei Jungtieren konnte ich feststellen, dass diejenigen, die schon gleich im ersten Federkleid eine verhältnismäßig gute und helle Zeichnung hatten, diese aber auch ebenso schnell wieder verloren haben, während die Tiere mit noch sehr schmutziger Schildfarbe später beste Ausstellungsexemplare ergaben.

Bericht aus dem Jahre 1954 Geflügelbörse/Ausgabe West

Von H. G. Adam