Modeneser Gazzi in Ost und West

Wenn erst vor kurzer Zeit an dieser Stelle über Modeneser Schietti berichtet wurde, so sollen meine Ausführungen heute dem „Gazzi“ gelten. Kaum bei einer anderen Taubenrasse gibt es so viele Arten und Farbenschläge wie beim Modeneser. Man könnte es einen herrlichen Blütenstrauß nennen, denn jeder Geschmack findet hier seine Befriedigung. Schon von weitem fällt ein Flug Modeneser Gazzi in verschiedenen Farben gefällig ins Auge und fesselt auch den Laien. Es ist nicht nur die schöne Farbe und Zeichnung, sondern auch die kokette Beweglichkeit, welche das Züchterauge fesselt. Als kleinste Art unserer Huhntauben verbindet er mit seiner anmutigen Form eine gute Fuggewandtheit, die seine größeren Artgenossen, wie Malteser usw. vermissen lassen. Auch im Futterverbrauch ist er bedeutend genügsamer. In seiner italienischen Heimat fand er früher im Flugsport Verwendung. Durch seine figürliche Verbesserung ist er heute weniger dazu geeignet, obwohl er noch sehr wenig im Fluge ist. Beim Modeneser heißt es: „In der Kürze liegt die Würze.“ Bedingung ist eine schöne runde Körperform, edle Haltung, feuriges Temperament etwas hochgetragener Schwanz. Der Kopf zeigt schöne Wirkung mit etwas kurzem, starken Schnabel. Das Auge ist bei dem dunklen Farbenschlägen tief orangerot, bei Gelb und Rot etwas heller gestattet. Der wenig entwickelte Augenrand ist dunkel bei dunklen, matt fleischfarbig bei helleren Farbenschlägen. Der früher bei schwarzen Gazzi oft noch störend auftretende rote Augenrand ist seltener geworden. Oft tritt auch ein etwas breiter weißer Augenrand auf, der bekämpft werden muss. Hauptmerkmal ist eine volle breite Brust und volle Bauchpartie, im Hinterteil ziemlich breit und rund. Flügel geschlossen getragen, ohne sich zu kreuzen. Schwanz je kürzer, desto besser. Als schwere Fehler gelten: langer schmaler Körper, enge Beinstellung, gebrochene oder helle Augen, farbiger Rücken, dunkle Schnäbel bei Gelb oder Rot sowie erhebliche Zeichnungsfehler. Wie bei jeder Farbentaube ist auch beim Modeneser das putzen gestattet, oft sogar erforderlich. Es darf sich dabei aber nur um einzelne Federn handeln, welche die Zeichnung stören. Es dürfen keine nackten Stellen entstehen. Entfernung von Schwingen- und Schwanzfedern ist strafbar.

Am besten in Qualität könnte man wohl die schwarzen Gazzi an erster Stelle nennen. Dieser Farbenschlag hat sich auch einen großen Liebhaberkreis erobert. Was auf den letzten großen Schauen , auf der Siegerschau in Leipzig wie auch auf der Nationalen in Köln, gezeigt wurde, war zumeist von feinster Qualität. Gute Figur und feine Lackfarbe fielen besonders auf. Es ist aber noch auf folgende Mängel zu achten: Die Kopfzeichnung soll im Nacken gut abschließen, und nicht zu weit ins Genick reichen, wie beim Strasser, Außerdem ist auf intensive Augen- und Schwingenfarbe zu achten, Bei Schwarz kann das Aige intensiver verlangt werden als bei den anderen Farbenschlägen. Die Blauen mit Binden haben gute Fortschritte gemacht, auf Schwingenfarbe und gute durchgehende, oben nicht zusammenlaufende und nicht zu breite Binden ist zu achten. Auch die Blauen ohne Binden zeigten sowohl figürlich Fortschritte als auch in ihrer feinen hellblauen Farbe, Schwierig ist die Schwingenfarbe, die nicht auf Kosten der hellen Schildfarbe dunkler verlangt werden darf. Sichtbares Schilf ist dagegen fehlerhaft. Die Blaugehämmerten sind gleichmäßiger in der Hämmerung geworden, oft zeigt sich noch ein feiner brauner Hauch auf den Binden, welcher von der Note sg ausschließt. Die Braungesäumten sind intensiver in der Grundfarbe geworden, wenn auch das herrliche Kastanienbraun, wie es Fritz Rentner schon vor dem 2. Weltkrieg zeigte, nur ganz selten erreicht wurden. Vielfach ist die Grundfarbe noch zu matt und der Saum nicht scharf genug. In der Schwingenfarbe ist aber auffallende Besserung eingetreten. Fehlerhaftes Schilf wird gestraft, wenn auch leichter Rost bei guter Farbe weniger von Bedeutung ist. Seltener wird der braune Farbenschlag gezeigt, welcher nicht das intensive Braun der Braungesäumten aufweist, sondern ein mattes rehbraun zeigt, bei blauer Kopf- und Schwanzfarbe. Diesem Farbenschlag ist eine größere Verbreitung zu wünschen. Den roten und gelben Gazzi mangelte es bisher immer etwas an Form, auch an intensiver Farbe. In beiden Punkten ist allerdings ein guter Fortschritt zu verzeichnen, denn auf den letzten Großschauen konnten auf diese Farbenschläge „V“ bzw. Sieger vergeben werden. Die früher stark verbreiteten marmorierten, silber- und lerchenfarbigen Gazzi wurden nur noch selten gezeigt. Hoffentlich finden auch diese seltenen Farbenschläge wieder Züchter, welche sich intensiv mit ihrer Wiederentstehung befassen.

Ich hoffe mit meinen Ausführungen über den Stand der Modeneser Gazzi in Ost und West den Züchtern vor Augen geführt zu haben, wo noch fördernd die Hand des Züchters erforderlich ist. Wollen wir hoffen und wünschen, dass unsere schönen Modeneser weiterhin das Züchterherz erfreuen und neue Freunde sich für dieses herrliche Taubenrasse begeistern.

A. Esche 06/1957 Geflügelbörse.